Archaeologikon

Die Himmelsscheibe von Nebra

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Die Himmelsscheibe von Nebra wurde 1999 von Hobbyarchäologen in der Nähe der Kleinstadt Nebra in Sachsen-Anhalt gefunden und ohne Genehmigung geborgen (Raubgrabung). Durch die unsachgemässe Bergung wurde sie etwas beschädigt, blieb aber in grossen und ganzen erhalten.

Entsprechend dem Schatzregal von Sachsen-Anhalt wurde das Land automatisch Eigentümer der Himmelsscheibe, die Finder zu Kriminellen und die gesamte folgende Verkäufer- und Käuferkette zu Hehlern. Der Erhalt dieses wertvollen Fundstücks für die Wissenschaft war allerdings nicht den Regelungen des Schatzregals zu verdanken, sondern nur dem naiven Vorgehen der Verkäufer bzw. Käufer:
Normalerweise wäre der Fund wohl im Tresor eines aussereuropäischen Sammlers verschwunden, wie es vermutlich mit vielen anderen Fundstücken auch geschehen sein dürfte und auch in Zukunft noch geschehen wird, solange es das unglückselige Schatzregal gibt.

Bei der Himmelsscheibe von Nebra handelt es sich um eine runde Bronzescheibe mit einem Durchmesser von 32 cm und 2,3 kg Gewicht. Auf der Scheibe sind zahlreiche Applikationen aus unlegiertem Gold, die offenbar den Mond und die Sonne (vielleicht aber auch einen Vollmond) darstellen sollen. Ausserdem sind wahrscheinlich Sterne zu sehen und mehrere Darstellungen, die nicht sicher zugeordnet werden können. Sie stellen möglicherweise ein Boot dar und den Horizont.
Einige Sterne sind so angeordnet, dass man sofort an das Siebengestirn, die Plejaden denkt, wenn man sie sieht.
Aber alles ist natürlich Interpretation und die kann durchaus falsch sein. Zumindest bei dem sogenannten Boot ist sehr umstritten, ob es sich wirklich um ein Boot handeln soll.

Die rein technische Untersuchung wurde allerdings sehr umfangreich vorgenommen und hat folgendes Ergebnis gebracht:

Sicher ist, dass die Gegenstände (also die Himmelsscheibe und die verschiedenen Beigaben, die von der Polizei bei verschiedenen Anlässen beschlagnahmt wurden) von ein und derselben Fundstätte stammen. Das heisst aber eben nicht zwingend, dass sie auch ursprünglich zusammengehören. Eigentlich bedeutet das nur, dass die Himmelsscheibe und die Beigaben irgendwann (!) mal zusammen vergraben worden sind. Daraus auf das Alter der Scheibe zu schliessen, ist naheliegend, aber keineswegs zwingend.

Das für die Scheibe verwendete Kupfer stammt mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus Erzminen im heutigen Österreich, in der Nähe von Salzburg. Sowohl das Gold für die Applikationen als auch das Zinn der Bronze stammt mit der gleichen Sicherheit aus Cornwall in England.
Nicht wirklich zweifelsfrei (!) sicher ist der Zeitpunkt der Niederlegung der Scheibe, noch unsicherer ihr tatsächliches Alter:

Das Alter dieser einmaligen Himmelsscheibe, zu der es wegen ihrer Einmaligkeit eben keine Vergleichsfunde gibt, konnte bisher nur anhand der Beigaben ermittelt werden. Das Alter der Beigaben konnte durch Stilvergleich mit anderen Funden, die zeitlich sicher datiert sind, ziemlich einfach und sicher bestimmt werden: Die Beigaben wurden vor ca. 3600 Jahren hergestellt und vermutlich (!) auch zu dieser Zeit vergraben.

Das deckt sich mit folgendem Untersuchungsergebnis: Ein winziges Holzstückchen, dass an einem der Schwerter klebte, konnte mit Hilfe der Radiokarbonmethode (C14-Methode) auf ein Alter von 1580 ± 20 Jahre v.u.Z. datiert werden.

Es lassen sich durch die verschiedenen Materialuntersuchungen zweifelsfrei mehrere Veränderungen an der Scheibe feststellen. Der Sinn dieser einzelnen Zustandsphasen wird kontrovers diskutiert.

Der Verfasser hat im vorstehenden Text versucht, die wirklich gesicherten Erkenntnisse über dieses Fundstück herauszuarbeiten. Das wirkt vielleicht etwas pingelig, aber es ist wichtig, sich von den verschiedenen Interpretationsansätzen zu befreien und sich auf die nackten Tatsachen zu besinnen. "Back to the roots" - sicher ist nur der Zweifel!

Bisher konnten sich die Wissenschaftler nicht auf eine einheitliche Interpretation des Fundes einigen.

Es gibt Übereinstimmung zwischen den Forschern, dass die Scheibe um etwa 1600 v.u.Z. direkt in Mitteleuropa gefertigt wurde. Es wäre dann die älteste bisher bekannte Darstellung des Kosmos überhaupt - älter auch, als entsprechende Darstellungen aus Ägypten.
Allerdings sind astronomische Kenntnisse schon sehr viel länger bekannt, mindestens seit ca. 5.000 Jahren v.u.Z.

Mit dieser Feststellung (nämlich dass die Scheibe um etwa 1600 v.u.Z. direkt in Mitteleuropa gefertigt wurde), erschöpfen sich auch schon die Gemeinsamkeiten und alle weiteren Interpretationen sind hoch-spekulativ. Es scheint so, dass die verschiedenen befassten Wissenschaftler die Scheibe gerne für ihren ganz persönlichen Forschungsschwerpunkt vereinnahmen möchten.

Der archäologische Wert der Himmelsscheibe ist unschätzbar. Ihr Versicherungswert liegt bei über 100 Millionen Euro. Sie ist seit 2008 in der Dauerausstellung des Landesmuseums für Vorgeschichte in Halle an der Saale zu sehen. In Nebra selbst (ca. 35 Km südwestlich von Halle) gibt es mittlerweile das multimediale Besucherzentrum "Arche Nebra".


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