Archaeologikon

Der Goldfund von Gessel bei Bremen

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Der Goldschatz von Gessel bei Bremen ist ein Hortfund, der 2011 im Zuge des Ausbaus der neuen Erdgastrasse gefunden wurde. Er konnte umfangreich archäologisch untersucht und dokumentiert werden.

Im Oktober 2011 gab es erstmals Pressemeldungen, dass in der Nähe von Bremen ein Goldschatz entdeckt worden sei. Was dann allerdings bei der offiziellen Pressekonferenz am 22. Februar 2012 veröffentlicht wurde, überstieg dann doch die Erwartungen:

In der Feldmark bei Gessel, einer Ansiedlung südöstlich der Kleinstadt Syke bei Bremen, war am 7. April 2011 ein grosser und wirklich bedeutender Hortfund gemacht worden, ein Goldschatz mit einem Gesamtgewicht von 1,8 Kg,. bestehend aus über 100 Einzelstücken; fast alles Spiralen verschiedener Arten und Grössen.

Die meisten der Goldteile waren vermutlich Halbprodukte, aber es gab auch Teile einer Fibel, einen Armreifen und einen Wendelring. Vor allem diese Teile ermöglichen Vergleiche zu anderen Fundstücken, die schon sicher datiert werden konnten. Das Alter des Schatzes wird deshalb auf 3300 Jahre geschätzt (Diese Methode des Vergleichs mit bekannten Fundstücken ist eine der Hauptmethoden bei der Altersbestimmung archäologischer Funde; auch z.B. der Hiddenseeschmuck wurde aufgrund eines Stilvergleichs datiert.)

Ursprünglich scheint das Gold in einem Beutel gelagert worden zu sein, wie kriminaltechnische Untersuchungen von Faserresten andeuten. Es ist aber auch möglich, dass es einfach hastig in ein Tuch eingeschlagen worden ist, z.B. im Zusammenhang mit einem räuberischen Überfall.

Die Untersuchungen des Goldfundes von Gessel sind noch lange nicht abgeschlossen, aber schon jetzt kamen dabei einige interessante Ergebnisse heraus: Es handelt sich bei den Fundstücken überwiegend um Halbprodukte, hergestellt aus Altgold, also aus Gold, das vorher schon mal in anderer Form verarbeitet gewesen war. Es könnte also einfach als Zahlungsmittel gedient haben, aber auch ein Depot aus Raub ist nicht ausgeschlossen. Bisher ist jedenfalls der tatsächliche Grund für die Deponierung des Goldschatzes nicht bekannt. Physikalische und chemische Vergleiche mit anderen Fundstücken lassen darauf schliessen, dass das Gold aus Zentralasien stammt - tausende von Kilometern entfernt.

Bei den noch nicht abgeschlossenen Untersuchungen wird es vor allem um Herstellungstechnik und genaue Materialherkunft gehen müssen, denn das sind die beiden Aspekte, die besondere Aufschlüsse ermöglichen vor allem in Bezug auf Handelsbeziehungen und den Austausch vom handwerklichem Können zwischen verschiedenen Orten der Herstellung.

Möglich geworden war die Entdeckung war durch den Bau der neuen Nordeuropäischen Erdgasleitung (NEL-Erdgaspipeline) von Lubmin in der Nähe von Greifswald bis nach Rheden bei Diepholz, die quer durch Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen führt.

Der gesamte Bau wurde archäologisch begleitet; die Kosten dafür musste der Bauherr übernehmen, also die beteiligten Energieunternehmen (und damit natürlich letztlich der Verbraucher).

Aber die Arbeit der Archäologen zahlte sich aus, auch wenn wir der Einschätzung nur bedingt zustimmen können, das der Fund zeige, dass nur durch "akribische und geduldige wissenschaftliche Arbeit" archäologische Sensationen zu erreichen seien. Das ist ein ziemlicher Unsinn, denn es war natürlich eine Menge Zufall, dass die Erdgas-Trasse genau an dieser Stelle durch die Feldmark verläuft: 20 m versetzt und es hätte niemals jemand etwas von diesem veborgenen Goldschatz bemerkt. Schlimm, dass "archäologische Sensationen" viel zu sehr vom Zufall abhängen, während zur Rettung maroder Banken Millarden aus dem Fenster geworfen werden.

Auch alle vergleichbaren Funde waren mehr oder weniger zufällige Erfolge und wenn System im Spiel war, dann waren es immer Hobby-Archäologen und Schatzsucher oder Bauarbeiter, die solche Funde ans Tageslicht holten. Schade, aber eine unbestreitbare Tatsache.

Richtig ist aber, dass es die systematische Begleitung der Baumassnahmen war, die zu diesem bemerkenswerten Erfolg führte: Dieser Goldhort wurde deshalb nicht von Schatzsuchern unsachgemäss geborgen oder von Baggern zufällig aus dem Boden gerissen, sondern er konnte unter wissenschaftlichen Bedingungen geborgen werden. Es ist damit der einzige unter solchen Bedingungen geborgene Goldschatz aus der Bronzezeit.

Dadurch war es möglich, den Schatz in seiner Originalsituation zu bergen: Es wurde ein 90 × 65 cm großer Erdblock aus dem Boden geschnitten, in dem der Goldhort eingeschlossen war. Dieser Block wurde dann sehr sorgfältig und mit modernster Technik untersucht. Der Schatz wurde also nicht,- wie es sonst meistens die Praxis ist (auch in der wissenschaftlichen Archäologie) - vorsichtig Schicht um Schicht freigelegt und zeichnerisch bzw. fotografisch dokumentiert, sondern es kam eine Technik zum Einsatz, die den Erdblock mit dem Schatz gewissermassen durchleuchtete und ein exaktes dreidimensionales Abbild des Schatzes erstellte, ohne dass der Erdblock überhaupt angekratzt werden musste. Dadurch konnte ein originalgetreues Plastikmodell des Fundes erstellt werden, bevor ihn überhaupt irgend jemand tatsächlich zu Gesicht bekommen hat. In dieser sorgfältigen Bergung, nicht etwa in der Fundgeschichte, liegt das grosse Verdienst der zuständigen Behörde (Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover)

Das Kunststoffmodell dokumentiert nicht nur die originale Fundsituation, sondern erleichterte auch das Freilegen der einzelnen Fundstücke aus dem Erdblock.

Zwischenzeitlich wurde der Goldfund von Gessel bei Syke schon bei verschiedenen Anlässen in der Öffentlichkeit gezeigt. Wo er letztendlich verbleiben wird, ist angeblich noch nicht endgültig entschieden; Ausstellungsorte könnten in Hannover oder der Stadt Syke entstehen.


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